{"id":5146,"date":"2020-07-26T12:04:43","date_gmt":"2020-07-26T10:04:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/?p=5146"},"modified":"2025-05-27T16:31:46","modified_gmt":"2025-05-27T14:31:46","slug":"der-erfolgsfaktor-mensch-aus-sicht-von-thomas-herrmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/der-erfolgsfaktor-mensch-aus-sicht-von-thomas-herrmann\/","title":{"rendered":"Der Erfolgsfaktor Mensch aus Sicht von Thomas Herrmann"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Rahmen unserer Serie \u201eDer Erfolgsfaktor Mensch\u201c haben wir mit Thomas Herrmann gesprochen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Thomas Herrmann ist CEO der Herrmann Ultraschalltechnik GmbH &amp; Co. KG, dem weltweit f\u00fchrenden Hersteller von Ultraschall-Schwei\u00dfsystemen. Ultraschallschwei\u00dfen findet in den unterschiedlichsten Bereichen Anwendung: von Staubsaugerbeuteln, Atemschutzmasken und Windeln \u00fcber Tetrapacks und Kaffeekapseln bis hin zu elektrischen Zahnb\u00fcrsten, Auto-Cockpits und Batterien.<\/p>\n<p>Das seit Jahren stark wachsende und ertragsstarke Unternehmen, 1961 von Vater Walter Herrmann gegr\u00fcndet, besch\u00e4ftigt knapp 600 Mitarbeitende und erzielt einen Jahresumsatz von rund 100 Mio. Euro, hat neben Deutschland Hauptstandorte in China, USA und Japan und ist in 20 L\u00e4ndern vertreten.<\/p>\n<p>Thomas Herrmann gr\u00fcndete 1990 zun\u00e4chst die nordamerikanische Tochtergesellschaft Herrmann Ultrasonics, Inc. und etablierte die Marke \u201eHerrmann&#8221; in den USA. 2007 trat er die Nachfolge seines Vaters im HQ in Deutschland an und leitet seitdem als CEO das globale Unternehmen. Seit diesem Generationenwechsel gelang es ihm, gemeinsam mit seinem Team das Unternehmen zum Weltmarktf\u00fchrer weiterzuentwickeln. In den letzten 10 Jahren verdreifachten sich sowohl Umsatz als auch die Anzahl der Standorte sowie die Zahl der Mitarbeitenden.<\/p>\n<p>Diese eindrucksvolle Entwicklung basiert unter anderem auch auf den Ver\u00e4nderungen sowohl in der F\u00fchrungsstruktur als auch in der Kultur der vergangenen Jahre. So wurden im Rahmen einer \u201eCulture Journey\u201c hierarchische Organisationsstrukturen durch F\u00fchrungskreise ersetzt, Werte wurden gemeinsam definiert und werden miteinander gelebt und der Fokus liegt auf einer ganzheitlichen Management-Methodik. <strong>Herr Herrmann, wie geht es Ihnen und Ihrem Unternehmen in Zeiten der Covid-19-Krise?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind in vielen Branchen unterwegs und sp\u00fcren R\u00fcckg\u00e4nge zum Beispiel sehr stark im Automobilgesch\u00e4ft; andere Branchen, wie zum Beispiel zur Herstellung von Gesichtsmasken, f\u00fcr die wir die Ultraschall-Schwei\u00dftechnologie liefern, sind gerade gro\u00df im Aufwind und gleichen diese R\u00fcckg\u00e4nge aus. Wir m\u00fcssen nun \u00fcber den Jahresverlauf beobachten, wie sich die Corona-Krise langfristig auswirken wird.<\/p>\n<p>Zum Schutz unserer Belegschaft hatten wir sehr fr\u00fch bereits verschiedene Ma\u00dfnahmen ergriffen: wer konnte, hat im Home-Office gearbeitet und wir haben 8 Wochen lang eine konsequente Zwei-Gruppen-Strategie gefahren, wobei die Firma in zwei Gruppen aufgeteilt war, die sich nicht begegnen durften und rollierend im Wochenwechsel anwesend waren. So konnten wir die Sicherheitsma\u00dfnahmen gut beachten \u2013 und sind bis jetzt zum Gl\u00fcck Corona-frei geblieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Seit mehr als 10 Jahren stehen Sie und Ihr Unternehmen f\u00fcr eine einzigartige Erfolgsstory. Was sind die Gr\u00fcnde?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, Begeisterung f\u00fcr Technologie und Menschen, harte Arbeit und auch ein Qu\u00e4ntchen Gl\u00fcck. Als zweite Generation durfte ich ein Unternehmen \u00fcbernehmen, welches als Technologief\u00fchrer bereits sehr erfolgreich war. Mein Fokus lag auf der Internationalisierung und kurzen Wegen f\u00fcr unsere Kunden weltweit. Dazu haben wir uns das Thema \u201eKundennutzen\u201c, das meinem Vater schon sehr wichtig war, konkretisiert. Kundennutzen ist heutzutage mehr als innovative Technologie; es ist unser Ziel, die Anwendung des Kunden so gut zu l\u00f6sen, dass dieser mit unseren Maschinen sorgenfrei und wirtschaftlich produzieren kann. Das nennen wir \u201eUltrasonic Excitement\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet der \u201eErfolgsfaktor Mensch\u201c f\u00fcr Sie als Unternehmer?<\/strong><\/p>\n<p>Der Mensch ist das Allerwichtigste. Ohne ihn geht nichts! Wir m\u00f6chten ein attraktiver Arbeitgeber sein und ein interessantes und stabiles Arbeitsumfeld bieten, in dem Menschen ihr Potential entfalten k\u00f6nnen. Wir sind interessiert daran, dass gute Mitarbeiter*innen ein m\u00f6glichst langes St\u00fcck Weg mit uns gemeinsam gehen, dass wir sie begeistern k\u00f6nnen und sie wiederum andere. Das ist auch \u201eUltrasonic Excitement\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie haben lange Zeit in den USA gelebt und dort die Marke \u201eHerrmann\u201c etabliert. Was waren f\u00fcr Ihren Werdegang die wichtigsten Faktoren, die Sie zu dem gemacht haben, was Sie heute sind?<\/strong><\/p>\n<p>Die Anfangsjahre in Amerika waren extrem schwierig; ich habe um die ersten Kunden hart gek\u00e4mpft. Insofern musste ich lernen, durchzuhalten und immer gut vorbereitet zu sein und auch manche Niederlage einstecken zu k\u00f6nnen. Das war auf jeden Fall eine gute \u201eLebensschule\u201c f\u00fcr mich. Letztendlich war ich gezwungen, mich fr\u00fch im Leben mit \u201eResilienz\u201c auseinanderzusetzen, also Zuversicht zu entwickeln und Glauben daran, dass meine Pl\u00e4ne erfolgreich sein w\u00fcrden. Heute haben wir \u201eResilienz\u201c als einen unserer vier Unternehmenswerte fest in unserer Unternehmenskultur verankert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ihr Vater war ein ausgesprochener T\u00fcftler, der zun\u00e4chst mit der Herstellung von Ultraschall-Reinigungsger\u00e4ten begonnen hat, bevor er die M\u00f6glichkeiten des Ultraschall-Schwei\u00dfens f\u00fcr sich entdeckt hat. Was haben Sie von Ihrem Vater f\u00fcr Ihre berufliche Entwicklung gelernt?<\/strong><\/p>\n<p>Er hat mich fr\u00fch dazu angehalten, mich zu fokussieren auf das, was ich und was das Unternehmen gut kann. Energien b\u00fcndeln und Synergien entwickeln und die Marge mit der Ultraschall-Kernkompetenz verdienen, das war sein Credo, das ich \u00fcbernommen und ausgebaut habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Als passionierter J\u00e4ger sind Ihrem Vater die Ideen f\u00fcr bahnbrechende Erfindungen oftmals auf dem J\u00e4gersitz eingefallen. Welche Hobbies verfolgen Sie in Ihrer Freizeit, um Energie zu sch\u00f6pfen und den Kopf f\u00fcr neue Ideen frei zu bekommen?<\/strong> F\u00fcr mich ist die Natur ebenfalls ein Kraftquell, seit einigen Jahren bin ich selbst auch J\u00e4ger und genie\u00dfe diese ruhigen Zeiten im Gr\u00fcnen sehr. Letztendlich brauche ich in der heutigen Zeit der Reiz\u00fcberflutung und st\u00e4ndigen Erreichbarkeit M\u00f6glichkeiten zum Abschalten. Das kann ich neben dem Jagen auch beim Skifahren oder bei Auszeiten auf meiner Lieblingsinsel Mallorca.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche B\u00fccher haben Sie besonders beeindruckt? Welche Lekt\u00fcre hat Sie gepr\u00e4gt oder inspiriert?<\/strong> Beruflich haben mich zwei B\u00fccher gepr\u00e4gt: \u201eGood to Great\u201c von Jim Collins (Der Weg zu den Besten) und \u201eDrive\u201c von Daniel Pink. Dazu lasse ich mich auch gerne aus dem Buch der B\u00fccher, der Bibel, inspirieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Leitgedanke von Herrmann Ultraschall ist \u201eBonding \u2013 More than Materials\u201c. K\u00f6nnen Sie erl\u00e4utern, was hinter dem Leitgedanken steckt und inwieweit das den Erfolg von Herrmann Ultraschall ausmacht?<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Leitgedanke, unser WHY, bringt zum Ausdruck, dass es uns eben nicht nur darum geht, Materialien miteinander zu verschwei\u00dfen, sondern auch alle Menschen zu verbinden, mit denen wir in Kontakt kommen: Kunden, Mitarbeiter und deren Familien, Lieferanten, Partner, unsere Kommune, unsere Umwelt \u2013 einfach alle Interessensgruppen rund um unser Unternehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das gesamte Unternehmen befindet sich auf einer Culture Journey, einer fortw\u00e4hrenden Reise, bei der die Mitarbeitenden regelm\u00e4\u00dfig in ihren jeweiligen Arbeitsteams Workshops durchlaufen. Wie kamen Sie auf diese Idee und was ist Ziel dieser Culture Journey?<\/strong><\/p>\n<p>Beginnend mit dem Generationenwechsel war es uns sehr wichtig, die konventionelle patriarchalische Hierarchie zu modernisieren und wir suchten nach neuen F\u00fchrungsinstrumenten. So wurde ein Prozess angesto\u00dfen und gemeinsam mit unserem Unternehmens- und F\u00fchrungs-Coach Dr. Sebastian Reschke (www.philios.eu) entwickelt. Die Culture Journey ist kein festgelegtes Event und auch keine Marketing-Kampagne. Die Culture Journey ist die Etablierung und Festigung unseres Selbstverst\u00e4ndnisses, unseres WHY im Unternehmen. Sie ist eine unendliche Reise, ein Roadtrip. Das Ziel ist Kundenbegeisterung durch ein begeistertes Miteinander auf der Grundlage unserer vier Unternehmenswerte Integrit\u00e4t, Wertsch\u00e4tzung, Leidenschaft, und Resilienz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Von au\u00dfen betrachtet ist die Culture Journey aufw\u00e4ndig. K\u00f6nnen Sie bitte den Ablauf n\u00e4her beschreiben und auch etwas zum zeitlichen und finanziellen Rahmen sagen?<\/strong><\/p>\n<p>Als F\u00fchrungsteam besch\u00e4ftigen wir uns seit 2017 mit dem Thema, ein offizieller Startschuss f\u00fcr das ganze Unternehmen war Anfang 2019. Die Kosten f\u00fcr die Workshops, die au\u00dfer Haus stattfinden und die eigenen Mitarbeiter, die zur Betreuung der Workshops freigestellt sind, betrachten wir als wichtigen Hebel in der Personalentwicklung und Unternehmenssicherung. Das ist sozusagen eine Investition in die Zukunft des Unternehmens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>An welchen Kriterien machen Sie den Erfolg der Culture Journey fest?<\/strong><\/p>\n<p>Wir machen den Erfolg insbesondere am Feedback unserer Kunden fest, aber auch zum Beispiel daran, wie konstruktiv ein Abteilungsleiter mit Kritik oder sonstigen Problemen in seiner Mannschaft umgeht \u2013 das ist Integrit\u00e4t. Oder wie man sich in der Firma pro-aktiv unterst\u00fctzt und ob man p\u00fcnktlich zu Meetings kommt \u2013 das ist Wertsch\u00e4tzung. Der Erfolg der Culture Journey zeigt sich auch in der Art und Weise, wie wir mit Problemen und Herausforderungen umgehen \u2013 das ist Resilienz. Oder wie wir unseren Kunden begegnen, f\u00fcr sie Unm\u00f6gliches m\u00f6glich machen und gemeinsam ihre Anforderungen umsetzen \u2013 das ist Leidenschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Tipps k\u00f6nnen Sie Unternehmern mitgeben, die am Anfang einer solchen Kulturentwicklung stehen? Was braucht es, damit die Unternehmenskultur zum differenzierenden Erfolgsfaktor wird?<\/strong><\/p>\n<p>Am wichtigsten ist es, dass der oberste F\u00fchrungskreis authentisch und nahbar ist. Nur dann schafft man Vertrauen in der Belegschaft und somit den ersten Schritt zum wertbasierten Miteinander. Fehler d\u00fcrfen gemacht werden und man braucht Zeit, um ein konstruktives und wohlwollendes Miteinander zu lernen. Und man braucht auch Geduld, vor allem wenn der Prozess stockt und H\u00fcrden auftauchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ihre Schwester, Sabine Herrmann-Brauss, ist Cash und Asset Managerin des Unternehmens. Ihr Vater, zwischenzeitlich 85 Jahre, ist von Zeit zu Zeit noch vor Ort pr\u00e4sent und Ihre Frau ist im Unternehmen im Bereich \u00d6ffentlichkeitsarbeit\/PR t\u00e4tig. Wie funktionieren Sie als Familie, privat und gesch\u00e4ftlich?<\/strong><\/p>\n<p>Sicherlich ist das Unternehmen auch im privaten Bereich sehr pr\u00e4sent; wir sind alle mit Leidenschaft dabei und das kann man nicht einfach abschalten. Wichtig ist es aber auch, Freir\u00e4ume zu schaffen und Fragestellungen\/Probleme aus der Firma im Privatbereich auch mal auszublenden. Das tun wir sehr bewusst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie haben als Familie entschieden, dass das Unternehmen, auch \u00fcber Generationen hinweg, im Eigentum der Familie bleiben soll. K\u00f6nnen Sie uns hierzu einen Einblick geben, wie Sie das verwirklichen?<\/strong><\/p>\n<p>Das Unternehmen bleibt der Familie \u00fcber ein Stiftungskonstrukt erhalten. So soll der Fortbestand des Unternehmens gesichert werden und Teile des Gewinnes auch dem Gemeinwohl wie zum Beispiel Forschungs- und sozialen Zwecken zukommen. Ein Unternehmen hat aus meiner Sicht nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch immer eine soziale Aufgabe. Als Familienmitglied besteht grunds\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit, sich einzubringen und mitzuarbeiten, aber jeder soll sich ohne Erwartung oder Zwang entscheiden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft auf Herrmann Ultraschall zukommen und was tun Sie, um daf\u00fcr ger\u00fcstet zu sein?<\/strong><\/p>\n<p>Als Premiumanbieter, der ausschlie\u00dflich in Deutschland produziert, m\u00fcssen wir immer einen messbaren, zus\u00e4tzlichen Kundennutzen bieten. Daran arbeiten wir hart. Dazu kommt die richtige und wichtige Diskussion um Nachhaltigkeit. Ein Unternehmen sollte sich dazu auf allen Ebenen zukunftsgerichtet positionieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ihr Leitspruch oder Lebensmotto?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist die Goldene Regel: \u201eBehandle andere so, wie du selber behandelt werden m\u00f6chtest.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie unseren Lesern zum Abschluss noch etwas mit auf den Weg geben?<\/strong><\/p>\n<p>Als die jetzigen Entscheidungstr\u00e4ger sollten wir versuchen, Metatrends richtig zu deuten und f\u00fcr die nachfolgenden Generationen positiv denkend und wohlwollend nachhaltig die Weichen stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Herrmann, wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen unserer Serie \u201eDer Erfolgsfaktor Mensch\u201c haben wir mit Thomas Herrmann, CEO der Herrmann Ultraschalltechnik GmbH &#038; Co. 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