{"id":5628,"date":"2021-02-16T15:00:59","date_gmt":"2021-02-16T14:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/?p=5628"},"modified":"2025-05-27T16:31:19","modified_gmt":"2025-05-27T14:31:19","slug":"der-erfolgsfaktor-mensch-aus-sicht-von-nicolas-schweizer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/der-erfolgsfaktor-mensch-aus-sicht-von-nicolas-schweizer\/","title":{"rendered":"Der Erfolgsfaktor Mensch aus Sicht von Nicolas-Fabian Schweizer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Rahmen unserer Serie \u201eDer Erfolgsfaktor Mensch\u201c haben wir mit Nicolas-Fabian Schweizer gesprochen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicolas-Fabian Schweizer ist CEO der SCHWEIZER ELECTRONIC AG. Die SCHWEIZER ELECTRONIC AG, die zu den f\u00fchrenden Herstellern und Systemanbietern von Leiterplatten geh\u00f6rt, wird von Nicolas-Fabian Schweizer in der sechsten Generation der Familie Schweizer gef\u00fchrt. Das Unternehmen, das in Schramberg im Schwarzwald seinen Stammsitz hat und an dem auch Infineon beteiligt ist, hat im letzten Jahr mit dem Aufbau einer neuen Hochtechnologie-Produktionsst\u00e4tte in Jintan (China) eine weitere Produktionsfl\u00e4che von insgesamt 90.000 Quadratmetern zur Herstellung von Leistungselektronik- und Embedding-Anwendungen geschaffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Schweizer, wie geht es Ihnen und Ihrem Unternehmen in Zeiten der Covid-19-Krise?<\/strong><\/p>\n<p>Als gr\u00f6\u00dfter Automobil-Zulieferer von Leiterplatten und Embedding-L\u00f6sungen in Deutschland und als drittgr\u00f6\u00dfter Leiterplatten-Hersteller in Europa war bereits 2019 &#8211; aufgrund der Transformation der Automobilindustrie &#8211; ein herausforderndes Jahr. Das Jahr 2020 war, wie f\u00fcr alle Unternehmen, ein besonders herausforderndes. Dennoch ist es uns gelungen, mit den richtigen Ma\u00dfnahmen und Schritten, diese Herausforderungen zu meistern. In aller K\u00fcrze, uns geht es sehr gut und wir schauen optimistisch in die Zukunft. <strong>Sie haben einen sehr spannenden beruflichen Werdegang. Sagen Sie uns etwas zu Ihren beruflichen Stationen vor Ihrem Eintritt in die Schweizer Electronic AG?<\/strong><\/p>\n<p>Aufgewachsen bin ich in Schramberg und S\u00fcdostasien, dann folgte das Studium der Rechtswissenschaften in Deutschland und der Schweiz.<\/p>\n<p>Gr\u00fcndung meines ersten Unternehmens war mit 23 Jahren, einer Fluggesellschaft im Bereich Business Charter. Dann T\u00e4tigkeit als Jurist\/Rechtsanwalt in Deutschland und New York und anschlie\u00dfend als General Counsel und Director HR eines internationalen Verkehrsflughafens. Und sp\u00e4ter war ich als Head of Employee Relations eines globalen britischen Konsumg\u00fcterherstellers, zun\u00e4chst f\u00fcr Deutschland und dann f\u00fcr die Region Europa, verantwortlich. Im Jahr 2011 bin ich dann in unser Familienunternehmen eingetreten, war zun\u00e4chst Vorstand und bin nunmehr CEO.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer hat Sie w\u00e4hrend Ihres Werdegangs gepr\u00e4gt? Gab es Vorbilder oder Mentoren?<\/strong><\/p>\n<p>Zuallererst mein Vater, als ehemaliger CEO und heute Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens. Als Familienunternehmen war das Unternehmen Kern meines Lebens seit ich denken kann. Er ist sowohl Vorbild als auch heute insbesondere Mentor und Ratgeber. Aber dennoch auch immer ein fordernder Vorgesetzter.<\/p>\n<p>Dann mein juristischer Ziehvater und Freund Dr. Stefan Krauss aus Lahr, der mich w\u00e4hrend meiner ganzen Karriere begleitet hat.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem diverse meiner Vorgesetzten w\u00e4hrend meines Werdegangs. Bei der Wahl meiner Jobs vor Eintritt in die Schweizer Electronic war es mir immer wichtig, f\u00fcr einen Vorgesetzten zu arbeiten, von dem ich so viel wie m\u00f6glich lernen konnte und der mich f\u00f6rderte. Dies ist gerade in den \u201aLehrjahren\u2018 einer der wichtigsten Punkte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wurden Sie auf die \u00dcbernahme der Rolle als CEO vorbereitet? Wenn ja, wie und von wem?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin nun die sechste Generation im Unternehmen.<\/p>\n<p>Es gilt bei uns in der Familie, dass zun\u00e4chst eine erfolgreiche Ausbildung und Karriere au\u00dferhalb des Unternehmens gemacht werden muss. Dieser gute Grundsatz soll daf\u00fcr sorgen, dass die Entscheidung, die Verantwortung f\u00fcr das Unternehmen zu \u00fcbernehmen, eine freie Entscheidung ist.<br \/>\nZudem sollen durch berufliche Stationen au\u00dferhalb des Familienunternehmens frische Gedanken, Ideen und Methoden in das Unternehmen gebracht werden. Und vielleicht ist auch ein Grund, dass die Anfangsfehler nicht zwingend im eigenen Unternehmen gemacht werden sollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ihr Unternehmen wird immer globaler und internationaler. Was sind die Gr\u00fcnde daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Industrie ist bereits seit 30 Jahren eine globale und internationale. Die gesamte Supply Chain ist global. Schwerpunkt der Leiterplattenproduktion ist Asien. Dort sind wir bereits seit 1982 mit eigenen Produktionsstandorten aktiv.<\/p>\n<p>Diese Internationalisierung unserer Branche wird weiter voranschreiten, die Regionen arbeiten immer enger zusammen.<\/p>\n<p>Wir haben seit 2017 unsere Internationalisierungsstrategie deutlich ausgeweitet und intensiviert. Ziel ist die verst\u00e4rkte Adressierung der Regionen Asien und Amerika, zum einen als Absatzm\u00e4rkte, zum anderen die Nutzung des Economy of Scale f\u00fcr unsere Gruppe.<\/p>\n<p>Wachstum und Internationalisierung ist in unserer Branche der Schl\u00fcssel f\u00fcr eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie haben in den letzten Jahren stark in den Ausbau Ihres Werkes in China investiert. Wie ist der Stand?<\/strong><\/p>\n<p>In 2017 haben wir nach einigen Jahren der Kooperationsstrategie mit asiatischen Partnern und Sublieferanten die Entscheidung getroffen, wieder mit einem eigenen Werk in China aktiv zu sein. Nur so ist es uns m\u00f6glich, den hohen Technologie- und Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen, die wir unseren Kunden bieten, auch von dort aus gerecht zu werden und den dortigen Markt unmittelbar zu adressieren.<\/p>\n<p>Die Grundsteinlegung fand im Sommer 2018 statt, Produktionsstart des 90.000 m\u00b2 gro\u00dfen Werks in Jintan war im M\u00e4rz 2020. Wir befinden uns derzeit in der Anlauf- und Qualifizierungsphase, auch f\u00fcr Automobilprodukte nach IATF16949. Wir kommen hier planm\u00e4\u00dfig voran und sind sehr zufrieden. Die COVID Krise hatte nur einen sehr geringen Einfluss auf die Projektzeitlinie mit lediglich 6 Wochen.<\/p>\n<p>Dass es durchaus herausfordernd ist ein solches Projekt w\u00e4hrend der COVID Krise aus Deutschland zu steuern, steht fest. Jedoch haben wir in Asien und China ein gro\u00dfartiges Team.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bereits 40% Ihrer Belegschaft arbeiten in Asien und in Ihrem neuen Werk in Jintan sind f\u00fcnf Nationalit\u00e4ten im Management vertreten. Was f\u00e4llt Ihnen dazu zu unserem Thema \u201eErfolgsfaktor Mensch\u201c ein? Und was bedeutet der \u201eErfolgsfaktor Mensch\u201c f\u00fcr Sie als Unternehmer?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben den gro\u00dfen Vorteil, dass wir bereits seit knapp 40 Jahren in Asien aktiv sind und somit die Kultur, die Policy und die Menschen verstehen.<\/p>\n<p>Die Antwort auf \u201eErfolgsfaktor Mensch\u201c f\u00e4llt mir leicht. Es sind nicht die Maschinen und Prozesse, die ein erfolgreiches Unternehmen ausmachen, es sind die Menschen, das Vertrauen derer zueinander und das Arbeiten mit- und f\u00fcreinander.<\/p>\n<p>Mein Kollege im Vorstand Marc Bunz, unser General Manager in Asien Alfred Pang und viele andere sind nicht nur langj\u00e4hrige Kollegen, sondern Freunde. Wir kennen, sch\u00e4tzen und respektieren uns. Und wir vertrauen uns blind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ihr Vater ist der Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, eine spannende und nicht allt\u00e4gliche Konstellation. Wie gehen Sie beruflich und privat miteinander um?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich gibt es keine Trennung zwischen beruflich und privat. Das Unternehmen stand immer im Mittelpunkt unserer Familie, und das ist auch \u2013 seit Generationen &#8211; gut so. Nat\u00fcrlich ist es besonders, wenn der Vater auch der Vorgesetzte ist, doch es ist auch etwas Sch\u00f6nes. Denn eine solche Beziehung ist im Vergleich zu einer familienfremden Beziehung bedeutend offener und verzeiht auch mal gegenseitig. Bekanntlich ist das eine immer dicker als Wasser.<\/p>\n<p>Wir als Familie haben nat\u00fcrlich den gro\u00dfen Vorteil, die Generationen\u00fcbergabe bereits 5-mal vollzogen zu haben. Der Vorgesetze meines Vaters war eben sein Vater und so wird es auch bei meinen Kindern sein. Man kennt die Rolle aus beiden Perspektiven.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wo und wie leben Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Nach 15 Jahren der globalen beruflichen Wanderschaft kehrte ich mit meiner Frau, die \u00fcbrigens auch Schrambergerin ist, im Jahr 2011 nach Schramberg zur\u00fcck. Neben dem Familienunternehmen steht meine \u201ekleine\u201c Familie, sprich meine Frau und meine vier Kinder, im Mittelpunkt. Wir f\u00fchren hier auf dem Land ein ganz normales Leben. Einfach wunderbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Interessen haben Sie au\u00dferhalb des Berufs?<\/strong><\/p>\n<p>Wirtschaftspolitik, Deutsch-Chinesische Beziehungen, F\u00fchrungsmethodiken, menschliche Interaktionen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was machen Sie in Ihrer Freizeit?<\/strong><\/p>\n<p>Familie und Segeln. In der Freizeit bekommt man mich leicht aufs und nur schwer vom Wasser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf was achten Sie besonders bei der Besetzung von Schl\u00fcsselpositionen in Ihrem Unternehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Das Werteger\u00fcst und die Chemie. Auch wenn ich mich als modern in Stil und Struktur bezeichnen w\u00fcrde, so achte ich stark auf das Vorhandensein der mir wichtigen Werte wie Respekt, Bescheidenheit, Demut und Flei\u00df. Dies gepaart mit Neugierde und dem Willen, etwas zu bewegen bzw. zu erschaffen, ist genau das, was ich mir w\u00fcnsche. Und nat\u00fcrlich, bei aller Qualifikation, muss die Chemie stimmen. Erfolgreiche Zusammenarbeit erfordert, dass man Freude hat zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche B\u00fccher oder Filme haben Sie besonders beeindruckt und inspiriert?<\/strong><\/p>\n<p>Inspiration bekomme ich aus B\u00fcchern jedweder Couleur. Als F\u00fchrungskraft lernt man am meisten aus den klassischen B\u00fcchern wie Sunzi, Machiavelli usw. Wichtig: dort lernt man insbesondere, wie man es NICHT machen darf.<\/p>\n<p>Lesenswert fand ich Principles von Ray Dalio, auch f\u00fcr mein Team.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft auf die SCHWEIZER ELECTRONIC AG zukommen und was tun Sie, um daf\u00fcr ger\u00fcstet zu sein?<\/strong><\/p>\n<p>Die Herausforderungen sind mannigfaltig, aber bedeutend weniger als die Chancen, die unser Unternehmen hat.<\/p>\n<p>So wird sich die globale Wirtschaft weiter verzahnen, allen Unkenrufen der De-Globalisierung und Regulatorik, wie dem Lieferkettengesetz, zum Trotz.<\/p>\n<p>Die Regulatorik, das Schaffen von Barrieren und das politische Trennen, wird jedoch f\u00fcr alle Unternehmer in Europa zu einer weiteren \u2013 in meine Augen vermeidbaren &#8211; Herausforderung. Ich bin f\u00fcr ein starkes und vor allem selbstbewusstes Europa, jedoch nicht f\u00fcr eine wirtschaftliche Regionalisierung und Abschottung.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir mehr Mut zum Unternehmertum und nicht das Provozieren bzw. Motivieren von Unterlassung.<\/p>\n<p>Um den Herausforderungen zu begegnen, internationalisieren wir mit hoher Geschwindigkeit und verfolgen hier nachdr\u00fccklich den Grundsatz One Company \u2013 One Team. Denn wie gesagt, das Team macht den Unterschied.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ihr Leitspruch oder Lebensmotto?<\/strong><\/p>\n<p>Hab keine Angst zu scheitern, hab\u2018 Angst davor, es nicht versucht zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie unseren Lesern zum Abschluss noch etwas mit auf den Weg geben?<\/strong><\/p>\n<p>Neugierde, Mut und Beharrlichkeit ist durch nichts zu ersetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Schweizer, wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen unserer Serie \u201eDer Erfolgsfaktor Mensch\u201c haben wir mit Nicolas-Fabian Schweizer, CEO der SCHWEIZER ELECTRONIC AG, einem der f\u00fchrenden Herstellern und Systemanbietern von Leiterplatten, ein Interview gef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5630,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-5628","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erfolgsfaktor-mensch"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5628","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5628"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5628\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5630"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5628"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5628"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5628"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}