{"id":6855,"date":"2021-09-06T12:21:23","date_gmt":"2021-09-06T10:21:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/?p=6855"},"modified":"2025-05-27T16:29:51","modified_gmt":"2025-05-27T14:29:51","slug":"erfolgsgeschichten-der-erfolgsfaktor-mensch-aus-sicht-von-frau-anka-wittenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/erfolgsgeschichten-der-erfolgsfaktor-mensch-aus-sicht-von-frau-anka-wittenberg\/","title":{"rendered":"\u201eEiner K\u00f6nigin sagt man nicht ab.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><b>Wir freuen uns, in unserer neuen Ausgabe der Serie ERFOLGSGESCHICHTEN Frau Anka Wittenberg zum Interview zu begr\u00fc\u00dfen.<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie kam es, dass Sie Ihre Karriere bei SAP f\u00fcr ein Social Sabbatical unterbrochen haben?<\/strong><\/p>\n<p>SAP war einer der Gr\u00fcndungsmitglieder der World Childhood Foundation, die im Jahr 1999 von I.M. K\u00f6nigin Silvia von Schweden gegr\u00fcndet wurde. Es bestand eine enge Verbundenheit, sodass die K\u00f6nigin von Schweden als Gr\u00fcnderin der Stiftung zum 40-j\u00e4hrigen Bestehen der SAP zu einem Besuch nach Deutschland kam.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt wurde ein Vorstand f\u00fcr die Childhood Foundation gesucht und die K\u00f6nigin fragte mich, ob ich dieses Amt \u00fcbernehmen m\u00f6chte. Und einer K\u00f6nigin sagt man nicht ab. Nein, Spa\u00df beiseite, die Aufgabe reizte mich auch sehr, da die Stiftung extrem viel Gutes bewirkt und es eine \u00fcberaus sinnvolle T\u00e4tigkeit ist. Zun\u00e4chst \u00fcbte ich das Amt ehrenamtlich, zus\u00e4tzlich zu meiner T\u00e4tigkeit bei SAP, aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bei SAP haben Sie zuletzt als Chief Diversity &amp; Inclusion Officer die globale Strategie f\u00fcr Diversit\u00e4t und Inklusion verantwortet. Was haben Sie in dieser Position bewirkt?<\/strong><\/p>\n<p>Es hat sich in vielen Studien gezeigt, dass Firmen, die inklusiv und divers sind, innovativer sind. Durch eine Vielfalt der Mitarbeitenden mit unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden und Kulturen entsteht ein breiteres Spektrum an Herangehensweisen, Blickwinkeln und L\u00f6sungsans\u00e4tzen, was dann auch zu innovativeren und vielf\u00e4ltigeren L\u00f6sungen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Und wir haben festgestellt, dass die Mitarbeiterzufriedenheit steigt. In einer gemeinsamen Studie mit PWC haben wir bereits 2014 herausgearbeitet, dass die Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit um nur 1% bei SAP in einem Operational Profit von 48 Millionen bottom-line resultiert. Als \u00d6konomin hat mich dieser betriebswirtschaftlichen Auswirkungen einer auf Vielfalt basierende Kultur immer besonders interesseiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>In diesem Rahmen haben Sie auch ein Programm f\u00fcr Autisten ins Leben gerufen, das in der \u00d6ffentlichkeit auf eine breite Resonanz gesto\u00dfen ist. K\u00f6nnen Sie uns dazu einen Einblick geben?<\/strong><\/p>\n<p>Das Programm \u201eAutism at work\u201c ist entstanden, als ich mein Team in Indien vor Ort besucht habe. Mitarbeiter hatten sich dort in einem Projekt engagiert und Kindern mit Autismus Laptops geschenkt und sie mit den Rechnern vertraut gemacht. Durch die Computer konnten sich die Kinder \u00fcber Bilder austauschen und nonverbal kommunizieren. Wir haben in dieser Zeit einiges \u00fcber Autismus gelernt. Als ich dann wieder im Flugzeug zur\u00fcck nach Frankfurt sa\u00df, habe ich mir \u00fcberlegt, wie man diese Menschen, die ganz besondere Begabungen haben, in die Arbeitswelt integrieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Menschen mit Autismus haben oftmals eine sehr gute Merkf\u00e4higkeit, ein visuelles Ged\u00e4chtnis und sehen Fehler sehr viel schneller. Gerade diese besonderen F\u00e4higkeiten und Perspektiven konnten wir f\u00fcr die Softwareentwicklung gut brauchen.<\/p>\n<p>Es ist gelungen, weltweit rund 300 Menschen mit Autismus zu gewinnen und zu integrieren. Wir haben dazu beispielsweise Support-Circles aufgestellt, damit es f\u00fcr die Autisten einfacher war, sich in unserer gro\u00dfen Organisation zurechtzufinden. Denn f\u00fcr Menschen mit Autismus kann schon der Gang in die Kantine ein gro\u00dfes Problem darstellen.<\/p>\n<p>Wir waren mit diesem Programm unglaublich erfolgreich, sodass \u201eAutism at work\u201c heute noch besteht. Und wir hatten weltweit ein riesiges positives Medienecho, als wir das Programm gelauncht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie haben einen Teil Ihrer Jugend in den USA verbracht. Wie kam es, dass Sie in den USA gelebt haben, und wie hat Sie diese Zeit gepr\u00e4gt?<\/strong><\/p>\n<p>Als ich etwa 16 Jahre war, war mein Vater in Kalifornien und ist dort durch Zufall auf ein Internat \u2013 eine katholische M\u00e4dchenschule \u2013 mitten im Silicon Valley aufmerksam geworden. F\u00fcr meine Eltern war dann sehr schnell klar, dass sie das als gute Weiterentwicklungsm\u00f6glichkeit f\u00fcr mich sehen.<\/p>\n<p>Auf dem von katholischen Nonnen gef\u00fchrten Internat waren insgesamt rund 50 M\u00e4dchen, die aus den USA, Mexiko, Latein-Amerika und Asien kamen. Ich war damals die allererste und auch einzige Europ\u00e4erin auf dem Internat, die nat\u00fcrlich anf\u00e4nglich sehr kritisch be\u00e4ugt wurde.<\/p>\n<p>Diese Zeit, in der unterschiedlichste Kulturen auf engem Raum zusammengelebt haben, haben mich nachhaltig gepr\u00e4gt. Auch heute profitiere ich noch von diesen Erfahrungen und Erlebnissen mit verschiedensten Kommunikationsans\u00e4tzen, Lebensans\u00e4tzen und Wertesystemen.<\/p>\n<p>Das andere was mich in dieser Zeit sehr gepr\u00e4gt hat, war die unglaubliche Disziplin, die in diesem Internat herrschte. So war beispielsweise jeden Abend Study Work von 19 bis 21 Uhr angesagt. Study Work bedeutete, dass wir alle zusammen in einem Raum sa\u00dfen und sich jeder selbst ruhig besch\u00e4ftigt hat &#8211; meist sa\u00df vorne im Raum eine Nonne, die gelesen hat und wir haben still unsere Hausaufgaben erledigt, gelesen und manchmal auch einfach reflektiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie haben drei Kinder w\u00e4hrend Ihres Studiums bekommen und eine beeindruckende Karriere gemacht. Wie ist Ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelungen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und meinen Sohn im ersten Semester bekommen. Meine erste Tochter in der Zeit zum Vordiplom und die zweite Tochter ungef\u00e4hr w\u00e4hrend der Diplomarbeit. Ich habe zwar etwas l\u00e4nger studiert als meine Mitkommilitonen, aber nicht wesentlich l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Mit meinem damaligen Mann, der Tennis-Profi war, habe ich mir die Erziehung gut aufteilen k\u00f6nnen. Er hat die Kinder bis mittags betreut, ich sie in der Zeit danach. Um 20 Uhr gab es Abendessen und dann ging es f\u00fcr mich wieder zur\u00fcck an den Schreibtisch.<\/p>\n<p>Genau diese Disziplin, die ich schon in der Schule kennengelernt habe, hat mir in dieser Zeit geholfen. Man kann sich auch noch abends hinsetzen, auch wenn man drei Kinder ins Bett gebracht hat, um noch einmal zwei Stunden sehr konzentriert zu arbeiten.<\/p>\n<p>Was ich wirklich rigoros umgesetzt habe war, dass ich mich tags\u00fcber vollkommen auf meinen Beruf konzentriert habe und in meiner Freizeit dann ausschlie\u00dflich Quality-time mit meinen Kindern verbracht habe. Dies ging nat\u00fcrlich nur, indem wir zur Unterst\u00fctzung ein Au-pair hatten und ich die Dinge outgesourct habe, die ich outsourcen konnte \u2013 deshalb kann ich beispielsweise auch bis heute nicht b\u00fcgeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Neben der Unabh\u00e4ngigkeit, insbesondere auch der finanziellen Unabh\u00e4ngigkeit, was raten Sie jungen, ambitionierten Frauen?<\/strong><\/p>\n<p>Frauen, die ich zum Thema Karriere berate, sage ich immer wieder: wenn ihr Karriere machen wollt, seht Macht als etwas Positives.<\/p>\n<p>Leider ist der Begriff \u201eMacht\u201c in Deutschland oft negativ besetzt. F\u00fcr mich aber bedeutet richtig eingesetzte Macht die M\u00f6glichkeit, Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen. Zur Einflussnahme muss man dann aber auch die volle Verantwortung f\u00fcr sein Tun \u00fcbernehmen. Und dazu muss man bereit sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Haben Sie ein Lebensmotto?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe im eigentlichen Sinne kein Lebensmotto.<\/p>\n<p>Wichtig war und ist f\u00fcr mich, unabh\u00e4ngig zu sein, auch finanziell. So konnte und kann ich frei Themen ansprechen, die mir nicht gefallen und die ich \u00e4ndern will.<\/p>\n<p>Meinen Kindern habe ich das auch immer mit auf den Weg gegeben: Bleibt unabh\u00e4ngig, um transparente und richtige Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wor\u00fcber k\u00f6nnen Sie herzlich lachen?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber unseren 6 Monate alten Golden Retriever Namens Coco, wie Coco Chanel, muss ich h\u00e4ufig lachen. Denn sie benimmt sich so gar nicht ihrem Namen entsprechend.<\/p>\n<p>Wenn sie sich bei einem Spaziergang im Dreck w\u00e4lzt und das helle Fell schnell pechschwarz wird, dann muss ich einfach lachen. Und wenn sie mich dann mit ihren dunklen Knopfaugen so anschaut oder wieder irgendetwas macht, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen, schmelze ich einfach dahin.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Frau Wittenberg, wir danken Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch. <\/strong>Anka Wittenberg war bei der SAP SE von 2011 bis 2013 als Senior Vice President HR f\u00fcr Asien, insbesondere China und Indien, verantwortlich und hat personalseitig rund 45.000 Mitarbeitende betreut. Zwischen 2013 und 2019, als Mitglied des Global Executive Teams direkt dem Vorstand zugeordnet, zeichnete sie f\u00fcr die globale Strategie f\u00fcr Diversit\u00e4t und Inklusion der SAP SE verantwortlich.<\/p>\n<p>Seit 2019 ist Anka Wittenberg f\u00fcr ihre Aufgabe als Vorsitzende des Vorstandes der World Childhood Foundation Deutschland im Rahmen eines Social Sabbatical freigestellt. Die World Childhood Foundation wurde 1999 von I.M. K\u00f6nigin Silvia von Schweden gegr\u00fcndet\u00a0mit dem Ziel, das Recht der Kinder auf eine sichere und liebevolle Kindheit zu sch\u00fctzen und die Lebensbedingungen derjenigen Kinder zu verbessern, die sexuellem Missbrauch und Gewalt ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Anka Wittenberg ist dar\u00fcber hinaus unabh\u00e4ngige Beraterin f\u00fcr Wirtschaftsfragen des Ausw\u00e4rtigen Amtes und sie war in unterschiedlichen Aufsichtsr\u00e4ten t\u00e4tig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen unserer Serie ERFOLGSGESCHICHTEN haben wir mit Anka Wittenberg, die zu den oberen F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten von SAP z\u00e4hlt und Vorsitzende des Vorstandes der World Childhood Foundation Deutschland ist, ein Interview zum Thema \u201eDer Erfolgsfaktor Mensch\u201c gef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6839,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-6855","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erfolgsfaktor-mensch"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6855"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6855\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6839"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}