{"id":8346,"date":"2023-04-12T08:58:39","date_gmt":"2023-04-12T06:58:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/?p=8346"},"modified":"2025-05-27T16:27:13","modified_gmt":"2025-05-27T14:27:13","slug":"die-menschlichkeit-darf-nie-verloren-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/die-menschlichkeit-darf-nie-verloren-gehen\/","title":{"rendered":"\u201eDie Menschlichkeit darf nie verloren gehen.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><b>Wir freuen uns, in unserer neuen Ausgabe der Serie ERFOLGSGESCHICHTEN Herrn Dr. Roman Glaser zum Interview zu begr\u00fc\u00dfen.<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zun\u00e4chst einmal herzlichen Gl\u00fcckwunsch zu Ihrem 10-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um als <\/strong><strong>Genossenschaftspr\u00e4sident. Erinnern Sie sich noch an den sch\u00f6nsten und emotionalsten Moment\u00a0<\/strong><strong>Ihrer bisherigen Amtszeit?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde hier gerne differenzieren zwischen sch\u00f6n und emotional. Anl\u00e4sslich des 150-j\u00e4hrigen Bestehens unseres BWGV haben wir 2013 eine Stiftung zur F\u00f6rderung der genossenschaftlichen\u00a0Entwicklungszusammenarbeit gegr\u00fcndet: die GESTE Baden-W\u00fcrttemberg. Die GESTE unterst\u00fctzt\u00a0dabei nicht nur einzelne Projekte mit Genossenschaften, sondern auch deren Entstehen, und das\u00a0weltweit in mehr als 30 L\u00e4ndern. Wie auch in Mexiko. 2017 war ich pers\u00f6nlich dort. Es hat mich unheimlich gereizt, mit eigenen Augen zu sehen, wie die Idee einer Genossenschaft in einem\u00a0Schwellenland umgesetzt wird. Wenn ich an dieses Treffen zur\u00fcckdenke, bekomme ich heute noch\u00a0G\u00e4nsehaut. Obwohl diese Menschen aus teils bitterarmen Verh\u00e4ltnissen stammen, sind sie Hunderte\u00a0von Kilometern angereist, nur um uns zu danken. Sie sagten: \u201eWenn wir keine Genossenschaft\u00a0gegr\u00fcndet h\u00e4tten, h\u00e4tten wir keine Existenzgrundlage.\u201c<\/p>\n<p>Zu erleben, welche weltweite Relevanz so ein wirtschaftlicher und sozialer Zusammenschluss hat,\u00a0war sehr bewegend. Das ging unter die Haut. Deshalb habe ich eingangs den Unterschied formuliert.\u00a0Das war nicht mein sch\u00f6nstes Ereignis, aber das emotionalste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Waren Sie noch einmal in Mexiko?<\/strong><\/p>\n<p>Leider nein, aber wir sind bei den einzelnen Projekten immer auf Stand. Gerade diese Genossenschaft in Mexiko entwickelt sich gut. Diese Menschen haben eine Perspektive. Das ist\u00a0gro\u00dfartig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fehlen noch die sch\u00f6nen Momente. Wann macht Ihr Amt so richtig Spa\u00df?<\/strong><\/p>\n<p>Ich freue mich vor allen Dingen, wenn genossenschaftliche Neugr\u00fcndungen zum Erfolg f\u00fchren.\u00a0Gerade in neuen Bereichen. Wir sind mittlerweile in 50 Branchen organisiert. Und jedes neu\u00a0umgesetzte Projekt l\u00e4sst mein Herz h\u00fcpfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wo Licht ist, gibt\u2019s aber auch Schatten \u2026 <\/strong><\/p>\n<p>Ja, das r\u00e4ume ich unumwunden ein. In meinen Anfangsjahren geh\u00f6rte es zu meinen Aufgaben, gleich\u00a0zwei unserer Standorte aufzul\u00f6sen: das Raiffeisenhaus in Karlsruhe sowie die Geno-Akademie in\u00a0Hohenheim. Wie der Name BWGV schon sagt, ist unser Verband entstanden aus dem Badischen Genossenschaftsverband und dem W\u00fcrttembergischen Genossenschaftsverband. Und jeder der beiden Verb\u00e4nde hat zwei Standorte in die Fusion miteingebracht. Unsere Akademie-Aktivit\u00e4ten zu b\u00fcndeln, war definitiv eine Win-Win-Win-Situation f\u00fcr Stuttgart, Karlsruhe und f\u00fcr unsere Genossenschaften \u2013 und daher die richtige Entscheidung im Sinne des BWGV.<\/p>\n<p>Aber leider gab es auch Mitarbeitende, die von diesem Ortswechsel betroffen waren \u2013 wie etwa das\u00a0K\u00fcchenpersonal der Akademie-Kantine. Ich habe mit jedem Einzelnen das Gespr\u00e4ch gesucht, um zu\u00a0h\u00f6ren, wie ich helfen k\u00f6nnte. Ich glaube, dass mir dies hoch angerechnet wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie nehmen mir die n\u00e4chste Frage vorneweg. Wenn es gut l\u00e4uft, braucht es keinen Pr\u00e4sidenten,\u00a0<\/strong><strong>sondern dann, wenn es eben mal nicht so gut l\u00e4uft. Was macht einen guten Pr\u00e4sidenten aus?<\/strong><\/p>\n<p>Ich will mal ein Stichwort geben: Authentizit\u00e4t. Zu zeigen, dass man auch Mensch ist und dessen\u00a0ungeachtet Entscheidungen herbeif\u00fchren kann, also eine Entscheidung im Wortsinne, nur darauf kommt es an. Und ich versuche, l\u00f6sungsorientiert zu agieren und dabei die eigene Erfahrung miteinzubringen, aber ohne gleich den Besserwisser zu spielen. Das ist oft ein schmaler Grat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Klingt, als seien Sie ein Chef \u201ezum Anfassen\u201c \u2013 und auch jemand, der flache Hierarchien bevorzugt?<\/strong><\/p>\n<p>Das l\u00e4sst sich so nicht pauschalisieren. Hierarchien m\u00fcssen sein, um Beschl\u00fcsse herbeif\u00fchren zu\u00a0k\u00f6nnen. Unser Verband hat vier gro\u00dfe Aufgabenfelder: Beratung, Bildung, Interessenvertretung und\u00a0Pr\u00fcfung. Bei einem Gespr\u00e4ch auf Ministerebene braucht es nun mal einen Pr\u00e4sidenten, der die\u00a0genossenschaftlichen Interessen vertritt. Ich m\u00f6chte mit dieser Rolle nicht kokettieren, aber ich\u00a0scheue mich auch nicht, sie anzunehmen.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz sollten Hierarchien nicht den t\u00e4glichen Umgang pr\u00e4gen. Wenn ich mit einer\u00a0Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter im Gespr\u00e4ch bin, braucht es keine Pr\u00e4sidentenrolle, dann bin\u00a0ich Zuh\u00f6rer oder Ratgeber. Ich war mir noch nie zu fein, um nicht etwa auch mit einem Referenten in\u00a0einem Ministerium zu sprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oder mit dem K\u00fcchenpersonal \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Ja, warum auch nicht?! Nat\u00fcrlich darf man die Verantwortung seiner Position nicht vernachl\u00e4ssigen.\u00a0Aber wenn ich am Samstagmorgen zum B\u00e4cker gehe, bin ich einfach der Roman oder der Herr Glaser, und weder in fr\u00fcheren Zeiten Bankvorstand noch heute Pr\u00e4sident. Diese Denke ist mir unglaublich\u00a0wichtig. Funktionen und Rollen verschwinden irgendwann, was zur\u00fcckbleibt aber, ist der Mensch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dabei steht der Begriff \u201ees menschelt\u201c h\u00e4ufig synonym f\u00fcr Schw\u00e4che. Wieso ist \u201eMenschlichkeit\u201c <\/strong><strong>dennoch mit der wichtigste Erfolgsfaktor?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe den Begriff \u201emenschelt\u201c zum ersten Mal so richtig wahrgenommen, als mich mein Doktorvater in die \u201eFreiheit\u201c entlassen hatte. Ich hatte ihm gegen\u00fcber als genossenschaftliches\u00a0Urgestein den Berufswunsch ge\u00e4u\u00dfert, Bankvorstand werden zu wollen. Mein Doktorvater entgegnete damals: \u201eAber merken Sie sich eines: Egal, wo Sie hinkommen: es menschelt!\u201c Und das hat mich seither nie mehr losgelassen. Gut so, denn wir sind auf dieser irdischen Welt schlie\u00dflich\u00a0nicht nur zum Selbstzweck. Ich m\u00f6chte niemanden beurteilen oder gar verurteilen, aber wenn ich bei\u00a0einem Gespr\u00e4chspartner merke, dass ihm jegliche menschliche Komponente fehlt, dann breche ich\u00a0das Gespr\u00e4ch ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie haben Ihre Kinder erw\u00e4hnt. Welchen v\u00e4terlichen Rat haben Sie Ihren drei T\u00f6chtern auf deren\u00a0<\/strong><strong>Lebensweg mitgegeben?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Frau und ich haben bei der Erziehung neben einem offenen und ehrlichen Umgang miteinander vor allem versucht, zwei Dinge zu vermitteln: Bildung und Sinnhaftigkeit. Meine T\u00f6chter\u00a0sollen das tun, was ihnen Spa\u00df macht, dann bringen sie Leistung, sind motiviert, sich weiterzubilden.\u00a0Ich w\u00fcnsche mir, dass sie \u00fcber den Broterwerb etwas Sinnstiftendes finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die n\u00e4chste Frage ist augenzwinkernd gemeint, aber sie passt wunderbar hier rein. Sie haben eine\u00a0<\/strong><strong>Frau, drei T\u00f6chter, zwei Enkelinnen und sind damit ein echter Frauenkenner. Die\u00a0<\/strong><strong>Unternehmensebene ist m\u00e4nnlich gepr\u00e4gt. Was k\u00f6nnen M\u00e4nner gerade in der F\u00fchrungsetage von\u00a0<\/strong><strong>Frauen lernen? <\/strong><\/p>\n<p>Meine Frau, die mir richtigerweise gerne und oft den Spiegel vorh\u00e4lt, w\u00fcrde sagen, dass es in\u00a0manchen Situationen hilfreich w\u00e4re, Gef\u00fchle zuzulassen, Dinge mit mehr emotionalem Bewusstsein\u00a0zu betrachten. Ich bin eher der Kopfmensch und tue mir schwer damit, \u00fcber Gef\u00fchle zu sprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und was sagt der Frauenkenner zur Frauenquote in deutschen Unternehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Gefahr hin, dass ich mit dieser Meinung anecke: Von der Frauenquote halte ich nichts!\u00a0Wissen Sie, warum? Eine Frau hat es nicht verdient, \u00fcber eine Quote bewertet zu werden. Ich wei\u00df\u00a0sehr wohl \u00fcber den Stellenwert der Diskussion, dass man Ver\u00e4nderung manchmal nur erreicht, wenn\u00a0man \u00fcber die Quote geht. Aber ich lebe in einem Frauenhaushalt und habe gen\u00fcgend Erfahrung mit\u00a0weiblichen F\u00fchrungskr\u00e4ften. Und daher sage ich, dass so eine Regelung den Frauen nicht gerecht\u00a0wird. Das schm\u00e4lert ihr K\u00f6nnen, ihre Qualifikation.<\/p>\n<p>Da m\u00f6gen mir jetzt alle Experten widersprechen: Aber wer heute noch meint, gesellschaftliche\u00a0Entwicklungen und F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten \u00fcber Quoten regeln zu m\u00fcssen, ist ein Auslaufmodell.\u00a0Lassen Sie mich hierzu gerne Johann Wolfgang von Goethe zitieren: \u201eVernunft wird Unsinn, Wohltat\u00a0Plage.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Genossenschaften gelten als traditionsreich. Was bedeutet Tradition f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Ich halte mich da an diesen ber\u00fchmten Vers von Thomas Morus: \u201eTradition ist nicht das Erhalten der\u00a0Asche, sondern das Weitergeben der Flamme&#8221;. Das trifft es auf den Punkt. Der Sinn einer Tradition\u00a0erkaltet f\u00fcr mich, wenn die Tradition um ihrer selbst willen gepflegt wird. Wir als Genossenschaften\u00a0gelten in manchen Kreisen zum Teil als verstaubt. Und selbstkritisch betrachtet, ist da schon was\u00a0dran. Es gelingt uns noch nicht gen\u00fcgend zu vermitteln, warum Genossenschaften zeitlos spannend\u00a0sind.<\/p>\n<p>Das Wort Tradition wird aus dem Wortstamm hergeleitet. Und Herkunft hat f\u00fcr mich hier die\u00a0st\u00e4rkere Aussage. Zukunft braucht Herkunft. Ich finde es wichtig zu wissen, wo man herkommt, wo\u00a0die eigenen Wurzeln liegen. In diesem Kontext haben Traditionen einen Sinn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn wir \u00fcber Herkunft sprechen: Was bedeutet Ihnen Heimat?<\/strong><\/p>\n<p>Alles! Ich wei\u00df, dass dieser Begriff Heimat von vielen auch kritisch gesehen wird, weil er von\u00a0bestimmten politischen Gruppen f\u00fcr sich reklamiert wurde. Aber blo\u00df, weil ein paar Fanatiker diese\u00a0Bezeichnung f\u00fcr sich nutzen, werde ich die Wertvorstellung von Heimat nicht f\u00fcr mich streichen.\u00a0Heimat ist f\u00fcr mich etwas Stabilisierendes. Heimat ist ein Ort. Heimat ist die Familie. Heimat ist auch\u00a0ein berufliches Umfeld. Heimat ist das, was mich h\u00e4lt und tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn wir \u00fcber R\u00fcckhalt reden: Sie repr\u00e4sentieren als BWGV-Pr\u00e4sident fast vier Millionen\u00a0<\/strong><strong>Mitglieder. Die Erwartungshaltung an Sie ist dementsprechend riesig. Wie gehen Sie mit diesem\u00a0<\/strong><strong>Druck um?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal habe ich es abgelegt, allen und jedem gerecht werden zu wollen. Du kannst nicht\u00a0immer \u201eEverybody&#8217;s Darling\u201c sein, auch wenn du dich in manchen Situationen ziemlich einsam f\u00fchlst.\u00a0Was mir Kraft gibt, neben dem R\u00fcckhalt in meiner Familie nat\u00fcrlich, ist auch ein gewisses\u00a0Gottvertrauen. Das kommuniziere ich ganz offen. Ein kurzes Sto\u00dfgebet gen Himmel und eine Nacht\u00a0dar\u00fcber schlafen, das wirkt Wunder. Und am n\u00e4chsten Morgen geht es weiter. Oder ein Spiel beim\u00a0Sportclub Freiburg. Ein Besuch im Stadion ist der perfekte Ausgleich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie sind Fu\u00dfball-Fan, so richtig mit Fan-Schal und Trikot?<\/strong><\/p>\n<p>Und mit zwei Dauerkarten! Ich gehe vornehmlich mit meinen Schwiegers\u00f6hnen oder mit Freunden\u00a0und Wegbegleitern ins Stadion. Dieser Nachmittag gen\u00fcgt f\u00fcr mich, um komplett abzuschalten. Der\u00a0SC ist eine tolle Mannschaft, allen voran Trainer Christian Streich. Ich finde Christian Streich als\u00a0Pers\u00f6nlichkeit sowieso hochinteressant. Es ist bewundernswert, wie dieser Mann mit Druck umgeht.\u00a0Immer nur Ein-Jahres-Vertr\u00e4ge. Immer diesen absoluten Sieges-Willen. Dazu verk\u00f6rpert er eine\u00a0immense Menschlichkeit und ebenso eine gewisse Demut. Er ist nie unfair und sehr gebildet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Im Fu\u00dfball kommt der leidenschaftliche L\u00f6we hindurch, nicht wahr? Sie sind im August geboren,\u00a0<\/strong><strong>also im Sternbild des \u201eK\u00f6nig der Tiere\u201c. L\u00f6wen gelten als (f\u00fchrungs-)stark, gerecht,\u00a0<\/strong><strong>begeisterungsf\u00e4hig und gro\u00dfz\u00fcgig. Aber L\u00f6wen k\u00f6nnen auch br\u00fcllen. Wie viel L\u00f6we steckt in Dr.\u00a0<\/strong><strong>Glaser?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich ehrlich bin, fresse ich viel zu viel in mich hinein. Still und leise und innerlich brodelnd.\u00a0Nat\u00fcrlich gibt es Momente, in denen mir der Kragen platzt, und ja, dann kann ich br\u00fcllen. Aber das\u00a0passiert selten. Ich kann mich im Laufe meines Berufslebens vielleicht an zwei Situationen erinnern,\u00a0in denen ich wirklich laut wurde und auch nur deshalb, weil ich mich sehr verletzt gef\u00fchlt habe.<\/p>\n<p>Viele empfinden es als befreiend, mal so richtig Dampf abzulassen. Dann hat man sich seinen Zorn\u00a0von der Seele geschrien, kann wieder bei null starten. Ich tue mir damit schwer. Ich bin durchaus\u00a0auch nachtragend. Wenn mich jemand entt\u00e4uscht oder verletzt, kann ich dies nicht so einfach\u00a0verzeihen. Es dauert, bis ich neues Vertrauen fasse. Vor allem Intriganz halte ich f\u00fcr ein mieses Spiel.\u00a0Da bin ich stur und mache zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gibt es denn etwas, was Sie sich r\u00fcckblickend selbst vorwerfen?<\/strong><\/p>\n<p>Also wenn ich behaupten w\u00fcrde, ich habe in meinem bisherigen Berufsleben alles richtig gemacht,\u00a0w\u00e4re es eine glatte L\u00fcge. Ich kann mich an eine Situation erinnern, da wurde es von meiner\u00a0Entscheidung als Bankvorstand abh\u00e4ngig gemacht, dass wir einem mittelst\u00e4ndischen Unternehmen \u2013\u00a0wie sagt man so neudeutsch \u2013 den Hahn abdrehen mussten. Ich wusste sehr wohl, dass davon 80\u00a0Arbeitspl\u00e4tze betroffen waren. Diese Entscheidung habe ich wochenlang reflektiert. War das richtig?\u00a0Hatte ich einen Fakt nicht bedacht? Ich kam dann zu dem ehrlichen Ergebnis, dass ich h\u00e4tte anders\u00a0entscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde mir heute nicht mehr passieren. Das bohrt noch heute in mir.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ende des Jahres gehen Sie in den wohlverdienten Ruhestand. Sind Sie dankbar, solche\u00a0<\/strong><strong>Entscheidungen nicht mehr treffen zu m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Ach, alles hat seine Zeit im Leben. Und das ist gut so. Ich habe die Entscheidung, aus dem Amt\u00a0auszuscheiden, bereits vor drei Jahren getroffen. Ich wollte den Zeitpunkt selbst w\u00e4hlen und mich\u00a0nicht bitten lassen m\u00fcssen. Jetzt konzentriere ich mich noch darauf, alles Begonnene zu Ende zu\u00a0bringen. Dann besch\u00e4ftigte ich mich mit meiner k\u00fcnftigen Lebensgestaltung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und Sie k\u00f6nnen wirklich loslassen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe jetzt alle M\u00f6glichkeiten gehabt, meine Vorstellungen einzubringen. Und wenn ich weg bin,\u00a0bin ich weg. Ich werde definitiv nicht von einem prall gef\u00fcllten, fremdbestimmten Kalender in einen\u00a0genau solchen fliehen. Ich sage bewusst fliehen, das werde ich nicht tun. Aber ich werde auch nicht\u00a0zu Hause sitzen und die Beine hochlegen. Sondern mich ehrenamtlich engagieren, etwas\u00a0Sinnstiftendes tun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie f\u00fcr uns noch ein letztes, ganz pers\u00f6nliches Fazit ziehen? <\/strong><\/p>\n<p>Ich bin einfach dankbar f\u00fcr all das, was ich erleben durfte. Kurz gesagt: Ich hatte in meinem Leben\u00a0saum\u00e4\u00dfig viel Gl\u00fcck!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Dr. Glaser, wir danken Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Vita:<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Dr. Roman Glaser, Pr\u00e4sident des Baden-W\u00fcrttembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), repr\u00e4sentiert die rund 750 Genossenschaften im S\u00fcdwesten mit knapp vier Millionen Mitgliedern. Der BWGV-Pr\u00e4sident leitete nach verschiedenen T\u00e4tigkeiten in der genossenschaftlichen FinanzGruppe von 2002 bis 2012 den Vorstand der ehemaligen Volksbank Baden-Baden\/Rastatt.<\/p>\n<p>Seit Oktober 2012 ist Glaser Mitglied des BWGV-Vorstands, seit Januar 2013 dessen Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Der promovierte Diplom-\u00d6konom ist verheiratet und hat drei erwachsene T\u00f6chter. Er lebt mit seiner Familie im mittelbadischen Ottersweier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen unserer Serie Erfolgsgeschichten haben wir mit Herrn Dr. Roman Glaser ein Interview zum Thema \u201eErfolgsfaktor Mensch\u201c gef\u00fchrt. 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