{"id":8646,"date":"2023-10-04T10:08:15","date_gmt":"2023-10-04T08:08:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/?p=8646"},"modified":"2025-05-26T13:41:26","modified_gmt":"2025-05-26T11:41:26","slug":"fuehrung-ist-people-business","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/fuehrung-ist-people-business\/","title":{"rendered":"\u201eF\u00fchrung ist People Business!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Klugen K\u00f6pfen kluge Fragen zu stellen, ist eine Kunst.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mal provokant, aber stets charmant, f\u00fchlt Dr.-Ing. Katharina Knaisch mit\u00a0 viel Fingerspitzengef\u00fchl interessanten Pers\u00f6nlichkeiten auf den Zahn. Ein Interview \u00fcber Erfolgsgeschichten, den Erfolgsfaktor Mensch und all das, was sich eben nicht googeln l\u00e4sst.<\/em><\/p>\n<p><em>Ihr aktueller Gespr\u00e4chsgast: CHRO Christine W\u00fcst. Die f\u00fcr HR, Marketing und Nachhaltigkeit verantwortliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der weltweit agierenden Unternehmensgruppe Witzenmann ist ehrenamtliche Richterin und der Inbegriff einer Powerfrau. Ein Talk \u00fcber HR-Transformation, \u201eNew Work\u201c und die Frage, wer beim Tanzen den Takt vorgibt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frau W\u00fcst, seit September 2022 sind Sie CHRO bei Witzenmann und verantwortlich f\u00fcr \u00fcber 4300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie selbst sagen, dass Sie das Ziel \u201eGesch\u00e4ftsf\u00fchrerin zu werden\u201c als utopisch erachteten. Warum diese Zweifel?<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte, ehrlicherweise, an mir selbst niemals Zweifel. Aber fr\u00fcher waren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer vom akademischen Background nun mal eher Juristen oder Ingenieure und keine \u201ePersonaler\u201c. Zudem war es in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung fast schon Pflicht, einen Doktortitel zu haben. Den ich ja nicht habe\u2026 Ich erinnere mich noch sehr gut, dass ich meiner Mutter eines Tages erkl\u00e4rt habe, dass es mein Ziel es ist, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin zu werden. Sie lachte und meinte: \u201eDa h\u00e4ttest du aber etwas anderes studieren m\u00fcssen.\u201c Daher empfand ich diesen Karriereschritt lange Zeit als utopisch und habe ihn tats\u00e4chlich so nicht erwartet. Mittlerweile bin ich nicht nur f\u00fcrs Personal zust\u00e4ndig, sondern auch f\u00fcr Marketing und Nachhaltigkeit. Aber ich nenne mich trotzdem CHRO, weil es da schlicht keinen anderen Begriff gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ihr Hashtag auf LinkedIn lautet: \u201eesgibtkeinBusinessohnePeople\u201c. Was macht eine gute F\u00fchrungsperson aus?<\/strong><\/p>\n<p>Ich brenne tats\u00e4chlich schon sehr lange f\u00fcr das Thema F\u00fchrung. Weil das f\u00fcr mich ein essenzieller Bestandteil einer jeden Unternehmenskultur ist. F\u00fchrung ist<br \/>\nPeople-Business. Man muss Menschen m\u00f6gen, wenn man f\u00fchren m\u00f6chte. Ich selbst bin nicht so der Hierarchie-Typ und der Begriff \u201eAugenh\u00f6he\u201c mag ausgelutscht sein, aber er beschreibt eben genau das, was mir wichtig ist: dass alle Teil eines Ganzen sind. Wer versteht, welchen Beitrag er leistet, kann sich besser mit dem Unternehmen identifizieren. Er hat mehr Spa\u00df bei der Arbeit und ist produktiver. Daher ist Feedback unerl\u00e4sslich. Und N\u00e4he zulassen. Nur so l\u00e4sst sich ein WIR- Gef\u00fchl entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>N\u00e4he zulassen \u2013 wie meinen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich halte eine strikte Trennung von privat und Business f\u00fcr illusorisch. Ich bin in der Firma doch derselbe Mensch wie zu Hause. Jeder wei\u00df, wie meine Tochter hei\u00dft. Und wenn ich morgens in den Betrieb komme und schlecht gelaunt bin, dann erz\u00e4hle ich, warum ich einen doofen Morgen hatte. Umgekehrt interessiert es mich ebenso, wie es meinen Leuten geht. Das verstehe ich unter N\u00e4he. Die Rolle des Arbeitgebers hat sich ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was muss sich in der HR noch \u00e4ndern? Stichwort: Transformation.<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind ja schon mittendrin. Ich sehe die HR nicht als Verwalter, sondern als Gestalter. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind nun mal unser wertvollstes Gut und deshalb obliegt diese Verantwortung auch in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung. Fr\u00fcher wurde klassisch in strategische und operative HR unterteilt. Heute betrachten wir das Thema ganzheitlich. Oben auf der Agenda steht f\u00fcr mich der Employee Life Cycle. Dazu geh\u00f6rt f\u00fcr mich der Onboarding-Prozess oder ebenso, dass wir unsere Rentner weiterhin zum Sommerfest einladen. Das hat sehr viel mit Wertsch\u00e4tzung zu tun.<\/p>\n<p>Nur gegen ein Feel-Good-Management im Unternehmen wehre ich mich noch ein wenig. Benefits sind richtig und wichtig und das bieten wir an, von Firmen-Yoga bis hin zur M\u00f6glichkeit, mobil und remote t\u00e4tig zu sein. Aber bei allem Respekt: Wir sind in erster Linie hier, um zu arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie haben Recruiting angesprochen. Eines Ihrer Erfolgs-Rezepte ist das Programm \u201eBares f\u00fcr Rares\u201c. Worum geht es da?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nichts anderes als eine Vermittlungspr\u00e4mie, also Mitarbeiter werben Mitarbeiter. Den Begriff finde ich mutig gew\u00e4hlt, und das Angebot kommt mega gut an. Wir haben zuletzt acht neue Fachkr\u00e4fte eingestellt, die wir aufgrund des Programmes rekrutieren konnten. Aktuell suchen wir ein ganz spezielles Profil und haben die Pr\u00e4mie deshalb verdoppelt.<\/p>\n<p>Aber der monet\u00e4re Anreiz allein reicht nat\u00fcrlich nicht. F\u00fcr mich ist ein authentisches Employer Branding ausschlaggebend. Es gen\u00fcgt nicht, sich nach au\u00dfen hin als toller Arbeitgeber darstellen, wir m\u00fcssen liefern. Das gelingt uns richtig gut und wir werden immer noch besser. Ich bin superstolz drauf, dass unsere Mitarbeiter uns so gut auf Kununu bewerten und uns so ein gro\u00dfartiges Feedback geben. Wir sind erneut unter die besten f\u00fcnf Prozent aller Unternehmen bei Kununu gevotet worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche weiteren Ma\u00dfnahmen zur Personalgewinnung erweisen sich bei Witzenmann ebenso als erfolgsversprechend?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz klar: Active Sourcing und auch Cross Border Recruiting! Da investieren wir gerade viel, viel Energie. Und Zeit. Aber auch hier erleben wir einen Wandel, insofern dass die Menschen gef\u00fchlt ein bisschen aus den Social-Media-Kan\u00e4len fl\u00fcchten. Es mag zwar old fashioned sein, ein Plakat an der Bushaltestelle aufzuh\u00e4ngen, aber diese Ma\u00dfnahme ist ebenso wichtig. Wir wollen die Zielgruppe spezifisch abholen, also dort, wo sie leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie selbst sind Mutter einer Tochter. Wie lassen sich Job und Familie vereinbaren? Wie geht \u201eNew Work?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Das ist tats\u00e4chlich eine Herausforderung, die ich alleine gar nicht meistern k\u00f6nnte. Ich bin nach der Geburt meiner Tochter direkt wieder arbeiten gegangen. In Vollzeit. Damals hat mein Exmann die Elternzeit \u00fcbernommen, sonst w\u00e4re dies nicht m\u00f6glich gewesen. Und ich habe bis heute meine Eltern, die immer wieder einspringen, meine Tochter abholen, sie nach Hause mitnehmen, mit ihr Hausaufgaben machen. Ich arbeite zudem nur zwei Tage vor Ort und drei Tage im Homeoffice. Das ist ein Mega-Statement des Unternehmens f\u00fcr uns Eltern. Ansonsten w\u00e4re dieser Job schlicht nicht machbar und das k\u00f6nnen wir ganz offen ansprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bleibt bei all der Arbeit noch ein bisschen Ich-Zeit \u00fcbrig?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine gute Frage. Wenn ich was mache, mache ich es ganz, gebe immer Vollgas. Da bleibt in der Tat nur wenig Zeit zum Durchschnaufen. Ich ziehe mir meine Energie darum aus dem Sport. Ich jogge seit 20 Jahren und brauche diesen Ausgleich. Wenn ich mich nicht drei oder vier Mal die Woche bewege, werde ich unzufrieden. Das wird zeitlich zwar immer schwieriger, weil auch meine Tochter ihre Mama braucht und verlangt. Darum habe ich es mir angew\u00f6hnt, nicht lange zu laufen, sondern schneller.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u2026 und dann sind Sie obendrein noch ehrenamtlich Richterin am Amtsgericht?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das mache ich schon eine ganze Weile. Ich bin zwar keine Juristin, aber Personal hat viel mit Juristerei zu tun und ich habe seit jeher eine Leidenschaft f\u00fcr Gesetze. Ich bin ein Gerechtigkeitsmensch. Inzwischen wurde ich ans Landesarbeitsgericht nach Stuttgart berufen, also in die n\u00e4chsth\u00f6here Instanz. Das finde ich spannend und ich freue mich auf die Herausforderung.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sie haben bereits in der Schule fr\u00fch ihre Stimme genutzt, um Dinge zu ver\u00e4ndern. Wie l\u00e4sst sich Frauenpower lernen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob man das lernen kann. Ich bin einfach immer aufgestanden, wenn ich irgendetwas als ungerecht empfunden habe. Da kam mein Gerechtigkeitssinn durch. Deshalb wurde ich wohl zur Klassensprecherin gew\u00e4hlt. In dieser Zeit hat sich mein Selbstbewusstsein ausgepr\u00e4gt. Je selbstbewusster du bist, desto leichter kannst du Dinge ansprechen, auch Unangenehmes. Ich habe als Praktikantin sogar dem damaligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer meine Meinung gesagt. Und wissen Sie was? Er war dar\u00fcber sehr dankbar. Umso h\u00f6her die Hierarchie, umso weniger offen sprechen die Menschen. Das ist sehr schade. Ich bin ein Mensch der ehrlichen Worte. Und wenn du deine Kritik charmant verpackst, nimmt es dir kaum einer krumm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was sagt denn Ihr Gerechtigkeits-Sinn zum Thema \u201eEqualPay\u201c? Wie k\u00f6nnen Unternehmen den Gender Pay Gap \u00fcberwinden?<\/strong><\/p>\n<p>Also ich muss sagen, dass ich selbst zum Gl\u00fcck noch nie in einem Unternehmen t\u00e4tig war, wo dies der Fall war. Wir wurden stets tariflich bezahlt, nach Leistung und nicht nach Geschlecht. Aber ich habe mir vorhin noch einmal die allgemeine Statistik angesehen und ich bin erschrocken. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit. Wie kann das in einem modernen und aufgekl\u00e4rten Land wie Deutschland \u00fcberhaupt noch passieren? Das ist mir unbegreiflich. Das w\u00fcrde ich in unserem Unternehmen sofort abschaffen, wenn es so etwas g\u00e4be.<\/p>\n<p>Das erinnert mich an diese Lehrfilme aus den 60ern, wie \u201eDer 7. Sinn\u201c, in denen auf die Gefahren durch Frauen im Stra\u00dfenverkehr hingewiesen wurde. Zumindest k\u00f6nnen wir heute dar\u00fcber lachen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Letzte Frage. Sie haben sich in Ihrer Jugend den \u201eSuper-Goldstar\u201c ertanzt. Jetzt mal augenzwinkernd gefragt: Ist es leicht oder schwierig f\u00fcr Sie, zumindest beim Tanzen die F\u00fchrung abzugeben?<\/strong><\/p>\n<p>Ich gestehe: Beim Tanzen tue ich mich schwer. Meine Tanzpartner wollten genau deshalb nicht so gern mit mir aufs Parkett. In meinem beruflichen Umfeld f\u00e4llt es mir deutlich leichter, die Kontrolle abzugeben und mein Team machen zu lassen. Du kannst in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung sowieso nicht alles selber machen. Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Klar muss ich dann auch mit Entscheidungen leben, die ich vielleicht selber nicht getroffen h\u00e4tte, aber das geh\u00f6rt eben dazu. That\u2019s the game. Hauptsache, alle spielen fair.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frau W\u00fcst, wir danken Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Vita:<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Christine W\u00fcst ist CHRO der Witzenmann Group. Im Januar 2021 \u00fcbernahm sie den Posten als Vice President Human Resources, wurde im September 2022 sp\u00e4ter in die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung bef\u00f6rdert. Zuvor \u00fcbernahm sie bei SIXT als Senior Director f\u00fcr People Business die Verantwortung f\u00fcr den HR-Bereich und war fast neun Jahre als Leiterin Personalstrategie bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) t\u00e4tig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen unserer Serie Erfolgsgeschichten hat Frau Dr.-Ing. Katharina Knaisch mit Frau Christine W\u00fcst ein Interview zum Thema \u201eErfolgsfaktor Mensch\u201c gef\u00fchrt.\u00a0Die f\u00fcr HR, Marketing und Nachhaltigkeit verantwortliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der weltweit agierenden Unternehmensgruppe Witzenmann ist ehrenamtliche Richterin und der Inbegriff einer Powerfrau. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8656,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-8646","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erfolgsfaktor-mensch"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8646\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.knaisch-consulting.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}